Der Frühling und der Sommer sind eigentlich die schönste Zeit des Jahres. Das Leben erblüht aufs Neue und man merkt förmlich, wie man vitaler und unternehmungslustiger wird. Doch nicht alle können die warmen Jahreszeiten geniessen. Wer unter Heuschnupfen leidet, weiss, wie sehr die Beschwerden, die diese Allergien mit sich bringen, den Alltag erschweren. Besonders berufstätige Allergiker leiden unter Konzentrationsstörungen, die auch vor der Bürotür keinen Halt machen. Nebst medikamentöser Behandlung von Heuschnupfen gibt es zahlreiche Massnahmen, die man als Allergiker ergreifen kann, damit das grosse Leiden ein kleineres wird. Auch Therapien der Komplementärmedizin können helfen, die Symptome zu lindern. Aber man kann sich auch mit einfachen Tipps selbst Abhilfe verschaffen.

Fenster auf, Fenster zu: wann lüften?

Wer vor der Arbeit gern die heimische Stube durchlüftet, sollte darauf in den frühen Morgenstunden verzichten, denn Pollen werden ab frühmorgens freigesetzt. «Nachts hingegen kann durchlüftet werden, am besten ab 23 Uhr. Morgenstund? hat während der Pollensaison nämlich kein Gold im Mund», sagt Dr. Georg Schäppi. Zudem rät er: «Wer unter starkem Heuschnupfen leidet, sollte ein Pollenschutzgitter installieren.»

Niessfrei zur Arbeit

Auch der Weg zur Arbeit steckt voller Reizstoffe. Wer mit dem Auto ins Büro fährt, kann sich im Auto einen Pollenfilter einbauen lassen. Wer keinen hat, sollte während der Fahrt auf die Lüftung verzichten, da die Pollen sonst ungefiltert ins Auto geraten. «Menschen, die mit Bus oder Tram zur Arbeit fahren, haben diese Möglichkeit nicht und leiden auf dem Weg», sagt Dr. Schäppi. Besonders Velofahrer hätten es schwer. «Eine Sonnenbrille kann schon sehr hilfreich sein. Das Auge ist dadurch etwas gegen die Pollen geschützt.» Mikrofiltersysteme gibt es übrigens auch für den Staubsauger, damit die angesaugten Pollen nicht wieder in der Wohnung verteilt werden.

Für eine wohnliche Atmosphäre am Arbeitsplatz schmücken viele ihren Tisch gern mit Blumen oder anderen Pflanzen. Darauf sollte – wenn auch schweren Herzens – während der Heuschnupfenzeit verzichtet werden. «Hier muss man auch den Arbeitnehmer in die Verantwortung nehmen», mahnt Dr. Schäppi. «Möglicherweise allergieauslösende Zimmerpflanzen sind bekannt. Darauf sollte man Rücksicht nehmen.» Auch blütenfreie Pflanzen können Symptome auslösen. So verursacht beispielsweise der Ficus benjamina häufig Probleme in Innenräumen. Klima- und Lüftungsanlagen müssen gut gewartet werden, sonst können sie mehr schaden als nützen. Dr. Schäppi weiss, dass viele Lüftungsschächte mit Schimmelpilzen befallen sind, was das Arbeitsklima für Allergiker fast unaushaltbar machen kann. Der Arbeitgeber sollte auch Wert darauf legen, dass das Reinigungspersonal über die verwendeten Produkte informiert ist und weiss, worauf zu achten ist. «Häufig enthalten Reinigungsprodukte, die besonders gut duften, Stoffe, die Allergiker stark reizen können.»

Eine Pollenallergie bedeutet nicht nur besondere Vorsicht, sondern auch mehr Hausarbeit. Experten raten, während der Pollenzeit die Kleidung im Haus trocknen zu lassen. Wenn man die Wäsche draussen aufhängt, verfangen sich zahlreiche Pollen im Gewebe, welche dann in die Innenräume getragen werden. Zudem sollte man sich als Allergiker während starker Pollenbelastung nicht im Schlafzimmer an- und ausziehen, denn so trägt man die Pollen von draussen ins Schlafgemach. Wichtig sei es laut Dr. Schäppi auch, das Haar während der Hochsaison täglich und vor allem abends zu waschen.

Schlimmere Migräne bei Pollenallergie

Besonders schwer während der Pollenzeit haben es Migränepatienten. US-amerikanische Forscher der American Migraine Prevalence and Prevention (AMPP) haben für ihre Studie 6'000 Migränepatienten befragt, um den Zusammenhang zwischen Migräne und Heuschnupfen zu ergründen. Zwei Drittel aller beteiligten Migränepatienten litten unter Allergien. Bei der Untersuchung war festzustellen, dass die Heuschnupfenpatienten durchschnittlich unter stärkeren Kopfschmerzen leiden als ihre allergiefreien Leidensgenossen. «Der Körper versucht, sich gegen Allergieauslöser zu wehren, was zu einer veränderten Durchblutung von Geweben führt», so der Experte. «Migräne hängt oft mit mangelnder Durchblutung zusammen, was auf einen Zusammenhang zwischen Heuschnupfen und Kopfschmerzen hindeuten kann.» Wer also unter Migräne leidet, sollte die allergieauslösenden Stoffe besonders meiden.

Zum Glück gibt es das Wochenende, wo Allergiker ihren Beschwerden entfliehen können. Wer sich nach ein paar niessfreien Tagen sehnt, sollte sich am Wochenende ausklinken und die Berge aufsuchen. Im Gebirge, ab einer Höhe von 1'500 Metern über dem Meer, herrscht eine geringere Pollenbelastung. Auch die Nordsee ist für Pollenallergiker ein empfehlenswerter Ort.

Benjamin Gottschalk
Freier Journalist