Inwiefern unterscheidet sich der Heuschnupfen von Kindern von dem von Erwachsenen?

Judith Sem: Er beginnt bei Kindern sehr niederschwellig. Am Anfang sind die Symptome noch nicht so einschränkend: Die Augen tränen, die Nase ist verstopft oder es juckt etwas im Hals. Aber sie beeinträchtigen das Kind nicht besonders im Alltag. Bei Erwachsenen wirken sich die Symptome viel stärker auf den Alltag aus, zudem kommen weitere Komponenten hinzu wie Asthma oder Atembeschwerden beim Sport. Erwachsene schlafen während der Heuschnupfenzeit häufig auch schlechter und fühlen sich müde.

Kommt Heuschnupfen bei Kindern im gleichen Masse vor wie bei Erwachsenen?

Sogar noch häufiger. Aber die Anzahl von Kindern, die Heuschnupfen haben, sinkt, je älter sie werden. Häufig verblasst die Allergie bereits im Teenageralter, viele ziehen die Allergie nicht mit bis ins Erwachsenenalter.

Wie merkt man, dass sein Kind unter Heuschnupfen leidet?

Heuschnupfen schaut zunächst wie eine Erkältung aus, die sich dann aber über Wochen zieht. Als Eltern sollte man darauf achten, ob sich die Symptome verstärken, wenn man zum Beispiel mit dem Kind an einer blühenden Wiese vorbeigeht oder zu Hause einen frischen Blumenstrauss hat. Man kann sich auch auf die Jahreszeit verlassen, denn die Heuschnupfenzeit ist von Ende Februar bis Ende August.

Muss man einen Arzt aufsuchen, wenn sich der Verdacht auf Heuschnupfen verstärkt?

Bei Verdacht auf Heuschnupfen muss man nicht sofort zum Arzt gehen. Man kann zuerst eine Apotheke aufsuchen, sich dort mit seinem Kind beraten lassen und sich mit Medikamenten eindecken. Wenn man aber merkt, dass die Symptome hartnäckig sind und das Kind mehr leidet als zunächst angenommen, dann sollte man einen Arzt konsultieren.

Zu welcher Behandlung von Heuschnupfen wird am häufigsten geraten?

Am Anfang empfiehlt man oft homöopathische Mittel. Kinder sprechen darauf bekanntlich sehr gut an, besser als Erwachsene. Sie reagieren gut auf die feinen Inputs der Homöopathie, nicht nur beim Heuschnupfen. Auch vom Geschmack her sind homöopathische Mittel meist besser und die Verabreichungsform wird eher akzeptiert als schulmedizinische Medikamente. Bei Kindern, die stark unter den Symptomen leiden, fängt man parallel zur saisonalen Behandlung auch früh mit einer Desensibilisierung des Heuschnupfens an, damit die Allergie sich nicht kaskadenartig auf weitere Organe ausweitet. Besonders das Asthma möchte man verhindern.

Was tun, wenn sich das Kind wegen Heuschnupfen in der Schule nicht mehr richtig konzentrieren kann?

Dann lohnt sich der Weg zum Allergologen, um dem Kind eine wirksame Behandlung bieten zu können. Es gibt auch verschiedene Tipps, was man als Eltern tun kann, um sein Kind im Alltag zu entlasten: Wenn es vom Spielen im Freien zurückkommt, sollte das Kind die mit Pollen behaftete Kleidung ausziehen. Am Abend zu duschen und die Haare zu waschen, ist sehr wichtig. Es gibt auch Nasensalben, die verhindern, dass die Pollen die Schleimhaut zu sehr reizen. In der Nacht die Fenster geschlossen zu lassen oder ein Pollengitter anzubringen, kann ebenfalls den Pollenflug ins Zimmer reduzieren.

In welchem Alter kann ein Kind einen Heuschnupfen entwickeln?

Unter drei Jahren ist das nicht möglich. Das Immunsystem muss mindestens zweimal mit dem Allergen konfrontiert worden sein, demnach muss ein Kind mindestens zwei Frühlinge oder Sommer erlebt haben. Ab dann können Symptome auftreten. Meistens jedoch tauchen die anfänglichen Beschwerden erst im Schulalter auf.

Ulrike Heber