Heuschnupfen mithilfe von Homöopathie zu bekämpfen, klingt ironisch. Mit Pflanzen gegen Pflanzen ...

Das ist ganz und gar nicht ironisch. Homöopathie handelt gemäss der Ähnlichkeitsregel. Die besagt, dass man eine Beschwerde mit dem Mittel behandeln kann, das dieselben Symptome bei gesunden Menschen hervorruft. Nehmen wir die Zwiebel als Beispiel: Wenn man eine schneidet, tränen die Augen, die Nase läuft. Diese Zwiebeldämpfe sind eine scharfe Angelegenheit und nicht leicht zu ertragen. Ein Fliessschnupfen kann ähnliche Symptome zeigen. In der Homöopathie versuchen wir, mit dem Auslöser derselben Symptomatik dem Krankheitsbild entgegenzuwirken. In diesem spezifischen Fall gibt es beispielsweise ein homöopathisches Mittel, das Bestandteile der Küchenzwiebel enthält. Das hilft dann aber nicht bei jedem Schnupfen, sondern nur dann, wenn ähnliche Symptome wie beim Zwiebelschneiden auftreten. Wenn das aber der Fall ist, dann hilft es blitzartig.

Das heisst also: Was die einen krank macht, macht andere gesund?

So ungefähr. Ich würde sagen: Was uns krank macht, kann uns auch heilen. 

Wie viele homöopathische Mittel gibt es gegen Heuschnupfen? 

Wir zählen über 125 einzelne Substanzen, wir nennen die auch Einzelmittel. Sie umfassen sowohl pflanzliche als auch tierische Produkte oder Mineralien. Zur Selbstbehandlung von akuten Beschwerden mischen wir zwei, drei oder vier zusammen, damit wir das Krankheitsbild möglichst umfassend behandeln können.

Welche Substanzen sind die wichtigsten im Umgang mit Heuschnupfen?

Eine der wichtigsten Substanzen ist Sabadilla, eine mexikanische Pflanze. Im Deutschen kennen wir sie unter dem Namen Läusesamen. Zur Herstellung der homöopathischen Urtinktur verwenden wir die reifen Samen dieser Pflanze. Bei Heuschnupfenbeschwerden wie Niesanfällen oder tränenden Augen, die brennen, hilft diese Pflanze besonders gut. Auch gegen das lästige Jucken am Gaumen kommt sie zum Einsatz. Diese exotische Pflanze ist mit dem Weissen Germer verwandt, einer Pflanze, die bei uns in den Bergen wächst.
Bei Beschwerden, die sich vor allem auf die Augen beziehen, greifen wir oft zu Euphrasia. Die Pflanze wird auch Augentrost genannt. Das ist schon fast selbsterklärend. Wir wenden sie bei Augenbindehautentzündungen mit rahmigem Augenausfluss oder Lichtempfindlichkeit an. Wir empfehlen auf Euphrasia basierende Augentropfen oft zusammen mit Sabadilla.

Was ist der Vorteil, wenn man Heuschnupfen mit Homöopathie behandelt? 

Homöopathische Behandlungen sind sehr sanft und schaffen keinen zusätzlichen Reizeffekt, sondern sind eine milde Therapie. Im Akutfall helfen sie rasch, was viele Kritiker nicht glauben. Vor allem homöopathische Augentropfen zeigen schnell ihre heilende Wirkung. 

Kann man mit Homöopathie Heuschnupfen langfristig bekämpfen?

Es gibt alle möglichen Reaktionsvarianten. Am häufigsten sehe ich, dass die im Handel zu kaufenden homöopathischen Mittel eine schnelle Linderung der Beschwerden herbeiführen. In Einzelfällen können diese Präparate bereits nach kurzer Anwendung auch eine dauerhafte Befreiung von den Beschwerden bewirken. Dann gibt es aber auch Patienten, bei denen man das passende Heilmittel nicht auf Anhieb findet, bei denen sich im ersten oder zweiten Anlauf nichts tut. Wenn man seinen Heuschnupfen dauerhaft loswerden will, lohnt sich der Gang zum Homöopathen, damit der mit einer Konstitutionsbehandlung versuchen kann, das Problem an der Wurzel zu packen.
 

Wie reagieren Kinder mit Heuschnupfen auf Homöopathie?

Sie reagieren oft besser als Erwachsene, weil sie noch nicht so viele chemische Reizungen durch die Schulmedizin bekommen haben. Vor allem bei Kindern predige ich die möglichst sanfte Behandlung durch die Homöopathie. 

Also steht die Schulmedizin der Wirkung von Homöopathie im Weg?

Das kann man so nicht pauschalisieren. Schulmedizin und Homöopathie schliessen sich gegenseitig nicht aus, da sie auf völlig anderen Ebenen wirken. Es gibt Studien, die zeigen, dass Homöopathie auch zusammen mit Schulmedizin wirkungsvoll ist. Homöopathische Heilmittel bringen die Selbstheilungskräfte in Schwung. Dann benötigt man weniger von den starken Mitteln.

Wie lange vor der Heuschnupfensaison soll man mit der Einnahme von homöopathischen Mitteln anfangen?

Wenn man mit einem homöopathischen Heilmittel in der letzten Saison gute Erfahrungen gemacht hat, lohnt es sich, circa einen Monat vor dem entsprechenden Pollenflug mit der Einnahme dieses Mittels zu beginnen. 

Joëlle Weil